1. Preis  »Le Lignon«

Architekturbüro Voigt, Leipzig

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf und die Gesamtidee des Langhauses mit seiner durchgehenden Dachkonstruktion verfolgt einerseits die Idee »alles unter ein Dach zu bringen« und berücksichtigt damit den Aspekt des durchaus auch gewollten »gemeinschaftlichen 
Wohnens«. Bei genauer Betrachtungsweise fällt positiv auf, dass die Innenraumgestaltung sehr flexibel ist und sich somit den Bedürfnissen unterschiedlichster Zielgruppen anpassen kann. Die aktuell baurechtlich nicht realisierbare Großform (190m) passt sich trotzdem in den Standort und die Landschaft sehr gut ein. Die filigrane Bauweise und die weitgehend unversiegelten Zuwegungen belasten die vorhandene Natur in möglichst geringer Weise. Im Ergebnis ist so für alle Nutzer der freie Blick zum See und der natürliche Wald im Hintergrund ideal kombiniert. Beim Seezugang sollte eine ähnlich filigrane Lösung gewählt werden. Der Entwurf überzeugt durch seine flexible Grundrissgestaltung und die damit verbundene flexible Nutzungsmöglichkeit und ausreichende Gemeinschaftsflächen. Highlights sind die flexible Raumfolge sowie die transparente, filigrane und ansprechende Bauweise.

 

 

2. Preis  

Opposite Office, München

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

XS wird wörtlich genommen! Bis zu 4 auf minimales Außenmaß reduzierte Räume fügen sich als andockbare Module um einen introvertierten Gemeinschaftsraum zu einem temporären Ferienhaus unter einem Dach zusammen. Diese Räume übernehmen dabei unterschiedlichste Funktionen: Schlaf-, Sauna-, Kino-, Wohnbereich usw. und sind individuell zuschaltbar oder abstoßbar. Kritisch muss angemerkt werden, dass die städtebauliche Positionierung der Hausmodule nur schwer erkennbar ist. Welche Art von Gemeinschafts-räumen im Zwischen entstehen, ist nur zu vermuten. 

Neben der Andockbarkeit zu einer Hausstruktur können die Module auch als eigenständige Elemente auf dem Gelände verteilt werden.  Hierzu bietet sich die Bewegung auf den bestehenden Schienen, als auch über Rollen auf der freien Fläche an. Somit können die einzelnen Module, je nach Wasserstand oder Bedarf auf dem Gelände verteilt werden, was für den Investor und Nutzer wirtschaftlich attraktiv ist. Somit ist dieses architektonisch hochwertige Konzept nicht nur in dieser Flexibilität, sondern auch in der nachhaltigen Material-wahl innovativ, zukunftsfähig und als Prototyp für andere Standorte übertragbar.

 

 

3. Preis  »Rückzugsort im Wald – Gemeinschaft am See und auf der Wiese«

AMUNT Martenson, Aachen, und Leonard Wertgen, Berlin

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit gliedert das vorhandene Grundstück ent-sprechend der topografischen Zonierung als auch der vorhandenen Parameter aus der Bauleitplanung in sinnvoller Weise. Auf der westlichen Seite wird eine Camping-Situation angeboten. Der östliche Bereich wird mit insgesamt 17 kleinen Gebäuden (ca. 27 qm Grund-fläche), die sich konsequent zum Stausee orientieren, bebaut. Dabei sind die Gebäude relativ homogen platziert – ggf. kann hier zugunsten von Gemeinschaften und auch zugunsten spezifischer Reaktion auf den Kontext differenzierter reagiert werden. Gleichwohl sorgt die gewählte Stellung der Gebäude für eine hohe Transparenz in Richtung Thüringer Meer. Die südliche Erschließung des Ufers über den Badesteg und die Treppe mit Umkleide ist naturnah und angemessen und liefert ohne großen Aufwand einen hohen Mehrwert, ebenso tun das weitere kleine Interventionen in der Landschaft, wie z.B. die offene Bar. Die Gebäude sehen unterschiedliche Nutzungen vor, z.B. auch Freizeit und Arbeiten. Dies ermöglicht eine saisonübergreifende Auslastung und stiftet damit auch einen neuen programmatischen Ansatz gerade für den regionalen Tourismus. Ein größeres Gemeinschaftshaus stellt dabei zusätzliche Funktionen bereit, die dieses Modell auch für größere Gruppen interessant machen. Auch für die ortsansässige Bürger wird hiermit eine interessante zusätzliche Infrastruktur mit hohem Erlebniswert geschaffen. Die Häuser sind konstruktiv logisch durchdacht. Die leichte Gründung kann gut auf die Topografie reagieren. Der klassische Gebäudetypus des Satteldachhauses wird spielerisch interpretiert. Hier könnte man die einzelnen Häuser im Sinne ›Idee und Varianz‹ etwas stärker individualisieren. Dies könnte auch durch unterschiedliche Materialen gestärkt werden. Auch weitere spezifische Funktionen, wie z.B. Angeln, Malen, Musik, Kochen, usw., könnten hier helfen, die einzelnen Charaktere zu stärken und entsprechende Nutzer anzusprechen. Insgesamt kann man der Arbeit einen sorgfältigen Durcharbeitungsgrad bescheinigen, der wenig falsch macht und gleichzeitig positive Bilder für breite Zielgruppen liefert. Dabei bleibt die Natur der eigentliche Star.

 

 

Anerkennung »Höhenlinie«

FAKT Office for Architecture, Berlin

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf beruht auf der Idee, mit minimalen Mitteln eine möglichst spezifische Antwort auf die besonderen Eigenschaften des Ortes zu geben. Sympathisch liegt die Struktur in der Landschaft und fügt sich demütig, aber architektonisch selbstbewusst und anspruchsvoll in den Ort ein. Die Parkierung erfolgt an der Straße, sodass die gesamte Anlage autofrei und naturnah bleiben kann. Zwischen der Bebauung bleiben große Freiräume, welche die bestehende Vegetation bewahren. So ver-bleiben zwischen der Bebauung große Freiräume, die die bestehende Vegetation bewahren. Die Gebäude fügen sich schlüssig in die Topographie ein und bieten ein unmittelbares Naturerlebnis, was die hohe Qualität der Arbeit ausmacht. Die höhenmässige Staffelung bietet von jedem Raum einen Blick auf den Stausee. 

Im Rücken jedes Gebäudes ist die Infrastruktur, also Kochzeile, Stauräume und Nasszellen positioniert, so dass die aufschiebbaren raumhohen Fenster zur Südseite somit einen schwellenlosen Übergang zwischen Natur und Architektur bieten und der Wohnraum gleich-zeitig Terrasse wird. Die Ost-West Positionierung begünstigt einen guten klimatischen Austausch im Inneren. Die nachvollziehbare Modularität der transpor-tablen Elemente bietet eine Vielzahl von unterschied-lichen Kombinationsmöglichkeiten. Die Anlage befindet sich im Wesentlichen im Geltungsbereich des derzeit in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanes. Die genaueren Festsetzungen können mit dem Entwurf in Einklang gebracht werden, womit für den Investor eine Planungs- und Genehmigungssicherheit garantiert werden kann.

 

 

Anerkennung

Kathrin Krell und Christiane Löffler, Zürich

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Wie die Dörfer der Umgebung besitzt auch die vorgeschlagene Anlage, die aus einer Reihe von Turmhäusern besteht, einen Anger mit gemein-schaftlicher Infrastruktur, der auch unabhängig von den Ferienwohnungen in den Türmen nutzbar ist. 

Der Charme des Entwurfs ist in der Eigenständigkeit der einzelnen Türme zu sehen: Der Anger ist ein Angebot, die Gemeinschaft aber kein Zwang. Die Ständer-konstruktionen der Türme reichen bis zu 4 Stockwerke in die Baumkronen und bieten mindestens in den oberen Geschossen einen guten Blick auf den See und die umliegende Landschaft. Die konstruktiven Details, insbesondere die Gründung und die äußere Hülle weisen Mängel auf. Obschon die Idee, in die Höhe zu gehen und dabei wenig Fläche zu be-bauen, bezaubert, ist doch hinzuweisen, dass ein barrierefreier Zugang nicht gewährleistet werden kann. Die Parkierung ist bewusst an die Straße gesetzt, sodass das gesamte Gelände über Pfade das Naturerlebnis »im Wald am See sein« weitestgehend bewahrt.Die hohe Eigenständigkeit der Idee bietet ein Alleinstellungsmerkmal und eine hohe Identifikation am Ort.

 

 

Anerkennung

Kühne & Schultz-Granberg, Berlin

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Die Jury hat den Entwurf »das Fischerdorf« genannt und die Autoren haben ganz offenbar auch mit Motiven historisch gewachsener Siedlungsstrukturen gearbeitet.

Durch vier Gebäudetypen in unterschiedlichen Größen und Ausrichtung erreichen sie ein interessantes Bild und eine fast städtische Dichte. Die Fassadengestaltung mit verschiedenen Schalungsverkleidungen aus Lärchenholz unterstützt diesen Eindruck stark. Dennoch haben die Gebäude jeweils Privatsphäre und schöne Ausblicke. 

Die Jury diskutiert den Entwurf kontrovers. So über-zeugend die Bildhaftigkeit des Vorschlags dem einen scheint, so sehr empfinden es die anderen als eine Filmkulisse. Die städtebaulichen und landschaftlichen Qualitäten sind erkennbar. Obwohl sich die Autoren offenbar genau mit dem Standort auseinandergesetzt haben und die kleine Geländekuppe für ihr Ensemble bewusst gewählt haben, schien es der Jury auch möglich, die Lösung für den Standort Werft zu prüfen, hier insbesondere an der alten Kläranlage.

 

 

Anerkennung »Werftstatt«

Lorenzen Mayer Architekten, Berlin

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Der Gesamtentwurf besticht mit der Idee, den Ort der Werft mit einer experimentellen Feriensiedlung und den industriellen Charme mit der Landschaft zu verbinden. Die Verfasser gestalten konsequent eine Willkommens-situation unter Fortführung der Gebäudekubaturen der Werft und lösen diese geschickt nach Süden mit ortsfesten, modularen Ferienhäusern auf. Das Motiv der Werftgleise wird weiter südlich signifikant gespiegelt und mit beweglichen Ferienhäusern standortbezogen weiter entwickelt. Die Besonderheit des Entwurfs liegt der Flexibilität der Kombination von Elementen des vor-geschlagenen Modulbaukastens, mit dem wechselnde Gästebedürfnisse optimal befriedigt werden können. Diese Flexibilität überzeugt durch die Möglichkeit des 
Ferienangebots an Land, auf der Schiene und im Wasser.

Durch das Gesamtgelände führt wie selbstverständlich ein Fuß- und Radweg mit angemessenen Aufenthalts-angeboten, an denen die notwendigen Steganlagen angebunden sind. Der auf einer Holzbauweise basierende Modulbaukasten ist ressourceneffizient, vorfertigbar und überzeugt durch seine Wirtschaftlichkeit und geringe Montagezeiten vor Ort. Der Gesamtentwurf ist ein wertvoller Beitrag in der Auseinandersetzung mit dem landschaftlich sensiblen Standort, dem er prägnant und nachhaltig ein neues Gesicht verleiht.

 

 

Anerkennung

The Empire, Verona/Italien

 

Aus der Beurteilung des Preisgerichts:

Der Entwurf verbindet auf kreative Weise die großen und unmittelbaren sozio-ökonomischen und räumlichen Realitäten Thüringens bzw. den Ländern Ostdeutsch-lands im Allgemeinen mit künftigen programmatischen Bedingungen und Forderungen. 
Die auffallende Qualität geht über die spezifische Form hinaus: Sie beruht auf der Strategie, durch Materialrecycling die Vergangenheit zu spiegeln und sie in neuer, intelligenter und unerwarteter Weise mit der Gegenwart zu verknüpfen. Es stellt ein Angebot dar insbesondere für all jene, die sich auf der Suche nach authentischen Orten auch von einem umweltbewussten Handeln leiten lassen. Das „neue Alte“ gibt es hier zu einen angemessenen Preis, sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht. Der Entwurf ist dabei geistreich, ohne übermäßig ironisch zu wirken. Der Entwurf der von der Jury sogenannten »Finnhütte« ist eines der Szenarien, zu der diese Strategie führen könnte. Durch bereits vorgefun-dene, patinierte und rezyklierte Baumaterialien wird die Form der Finnhütte über das ihr innewohnende Klischee vom DDR-Typenbau hinaus mit Bedeutungen und Qualitäten aufgeladen. Sie bietet eine überraschende typologische und historische Attraktion für internationale Besucher – lokalen Touristen ermöglicht es den radikalen Blick auf ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Typ. Insbesondere internationalen Besuchern ermöglicht diese Strategie einen subtilen Zugang zu Fragmenten der lokalen Geschichte; Thüringer Besucher lässt sie auf angenehme Weise die emotionale Verbindung zur Finnhütte auf  anderer Ebene erfahren. Während die konstruktive Detaillierung und die praktische Material-sammlung und -management noch der weiteren Bearbeitung bedürfen, entspricht der Maßstab des Entwurfes entschieden dem geforderten „XS“ und wird dementsprechend von der Jury gewürdigt. Der städtebauliche Vorschlag unterstreicht in klarer und gleichzeitig in spielerischer Weise die topografische Situation und die Qualitäten der Umgebung.